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Weiterbildung für den Umgang mit KI

Warum Weiterbildung für den Umgang mit KI so wichtig ist

“Sync or Sink”. Unter dieser Prämisse diskutierte am St. Gallen Symposium 2026 ein hochkarätiges Podium, wie Künstliche Intelligenz unsere Arbeit verändern wird. Alle waren sich einig: Die Entwicklung fordert alle Branchen – auch an überraschenden Orten.

«Wer heute noch über den Umgang mit seinen Daten nachdenkt, ist bereits zu spät». Nina Kataeva, Managing Director und Partner der Boston Consulting Group, fasst zusammen, was «Sync oder Sink» meint: Die Zeit drängt, die technische Entwicklung ist rasend schnell. Wer den Zug jetzt verpasst, geht unter. Diskussionsleiter und Direktor des Institute for Computer Science der Universität St. Gallen, Professor Damian Borth, sagt es etwas humorvoller, aber nicht weniger klar: «Früher musste ich meine Vorlesungsfolien alle 2 Jahre anpassen, heute sind sie schon nach sechs Monaten veraltet».

Wer heute noch über Chatbots diskutiert, hat verloren

In vielen Betrieben wird noch über die Einführung von Chatbots diskutiert, oder wie Daten am besten genutzt werden können. Andere wenden KI bereits heute konkret in völlig anderen Business-Feldern an. Hanneke Faber, CEO von Logitech, illustriert das am Beispiel einer riesigen chinesischen Produktionsanlage: «Wir beschäftigen in dieser Fabrik nur noch wenige Menschen, meist hoch spezialisierte Techniker, die in China nur schwer zu finden sind. Wenn eine Maschine eine Störung erleidet, ist der Zeitfaktor extrem wichtig». Logitech setzt hier an: «Unsere KI analysiert den Schaden und macht dem Techniker einen konkreten Vorschlag, wie die Reparatur umgesetzt werden könnte.» Die KI liege in 98 Prozent der Fälle richtig. Und wie reagieren die Techniker? «Sie sind glücklich. Die mühsame Fehlersuche entfällt und sie können gleich loslegen mit der Reparatur.»

KI ist nicht mehr digital

Der Einsatz von KI in Fabriken und Produktionsstätten ist ein Trend und hat einen Namen: «Physical AI», also KI in der Produktion. Die Diskussionsrunde ist sich einig: Physical AI ist kein Buzzword, sondern die nächste Phase einer stürmischen technologischen Entwicklung.

Eine Entwicklung, die unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellen wird. Vertieften Einblick gibt die Studie «AI at Work», die das St. Gallen Symposium gemeinsam mit dem Nürnberg Institut für Marktentscheidungen durchgeführt hat. Die Resultate der Befragung von 585 zukünftigen Leadern im Alter von 18 bis 35 Jahren und 100 Senior Exekutives zwischen 50 und 65 Jahre zum Thema Künstliche Intelligenz untermauern die Thesen des Panels. Zwei Themen dominieren: Akzeptanz und Weiterbildung.

Die beiden befragten Generationen unterscheiden sich in ihren Erwartungen und Prioritäten zum Teil signifikant. Wo die ältere Generation öfters noch auf schnellere und effizientere Arbeit setzen, sehen die jüngeren die Hauptvorteile in besseren Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden. Besonders auffällig ist der kritischere Ansatz der jüngeren Generation mit der neuen Mega-Technologie. So gehört die Fähigkeit, Irrtümer, ungewollte Konsequenzen oder Voreingenommenheit (Bias) der KI zu erkennen, zu den meist gewünschten Kernkompetenzen der Mitarbeitenden.

Ohne Weiterbildung geht es nicht

Konsequenterweise fordern die «Leaders of Tomorrow” denn auch eine verstärkte Ausbildung der Mitarbeitenden. 64 Prozent wünschen sich eine intensive Schulung, wie KI genutzt und möglichst effektiv eingesetzt werden kann. Mit dem Ziel, die Leistung der Menschen am Arbeitsplatz zu fördern. Bei den Ü-50 Führungskräften sind das gerade mal 43 Prozent. Das heisst: Die nächste Führungsgeneration verlangt bereits heute, dass die Mitarbeitenden ihre Skills an die veränderte Arbeitswelt anpassen.

Ein weiteres Fazit der Studie: Die jüngeren Befragten sind keineswegs gegen den Einsatz Künstlicher Intelligenz, ganz im Gegenteil. Aber sie machen den Erfolg der Technologie auch vom Vertrauen abhängig, das Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden in die Anwenderfirmen haben. Die Befragten zeichnen ein düsteres Bild: 39 Prozent haben heute nur wenig oder gar kein Vertrauen in Firmen und ihren Umgang mit KI. Bei den älteren Semestern sind es gerade mal drei Prozent.

Vertrauen ist entscheidend für den Erfolg

Auch im Podiumsgespräch wird dieser Punkt engagiert diskutiert. Laisser Faire wie in den USA oder doch strengere Regulierung wie in der EU? Professor Damian Borth ist überzeugt: «Vertrauen ist zentral für den Erfolg der Technologie. Darum ist Europa mit seiner Regulierung auf dem richtigen Weg.» Logitech-CEO Hanneke Faber sieht nicht nur den Staat in der Pflicht, sondern auch die Firmen: «Wir haben eine Strategie der Transparenz. Wo KI zum Einsatz kommt, wird das deklariert. Auch und gerade im Kundenkontakt.»

Und da schliesst sich der Kreis zum Chatbot: Der, so sind sich alle Teilnehmenden einig, ist bereits wieder ein Auslaufmodell. «Wir haben gemerkt, dass KI für die Interaktion mit Kunden nur schlecht geeignet ist,» erzählt Hanneke Faber. «Wenn wir hier noch KI einsetzen, deklarieren wir das sehr klar.»

Now or never

Vertrauen, Weiterbildung und die Vernetzung von KI mit der physischen Welt: Das sind drei wichtige Überlegungen, die sich Firmen im Umgang mit der wohl wichtigsten technologischen Veränderung seit Jahrzehnten machen müssen. Zeit ist der Schlüsselfaktor. Denn alle im Panel waren sich am Schluss einig: Für ganz viele Firmen heisst es «Now or never». Oder wie es Nina Kataeva ausdrückt: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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