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KMU brauchen jetzt KI-Kompetenz

Der EU AI Act wird schrittweise wirksam – und kann auch Schweizer KMU betreffen. Was es spätestens jetzt braucht: KI-Kompetenz im Betrieb. Dafür braucht es keine Profis, sondern die richtige Weiterbildung.

Eine neue Verordnung der EU?

Was soll’s, werden sich die meisten Verantwortlichen in Schweizer KMU fragen. Der «EU AI Act» ist im August 2024 in Kraft getreten und wird schrittweise angewendet, ein Teil der Verordnung inklusive der Transparenzpflicht gilt erst seit August 2026. Dieser Teilbereich hat es aber in sich – auch für Schweizer Unternehmen.


Transparenz ist Pflicht

Im Grundsatz geht es um Folgendes: Für bestimmte KI-Anwendungen und KI-generierte Inhalte gelten Transparenzpflicht. Ist das Risiko der KI-Anwendung hoch, gelten verschärfte Bestimmungen bezüglich Dokumentation und Risikomanagement. Schweizer Firmen sind betroffen, wenn sie in der EU tätig sind, Arbeitnehmer in der EU anwerben, Menschen bzw. Unternehmen aus der EU ansprechen oder deren Ergebnisse in der EU verwendet werden. Mit der Nutzung von KI müssen also auch Schweizer KMU wissen, welche Vorkehrungen sie treffen sollten.


Komplexer Einsatz: Wo greift das Gesetz?

Der «EU AI Act» ordnet KI-Anwendungen zurecht nicht alle in denselben Topf, sondern stuft deren Einsatz nach Risiken ab:

  • Minimales Risiko: Viele im Hintergrund laufende Assistenzsysteme wie Spamfilter und andere einfache KI-Funktionen. Hier braucht es in der Regel keine Massnahmen.
  • Transparenzrisiko: Chatbots, Deepfakes, KI-generierte Bilder, Texte und Audio. Die Nutzenden (Angestellte, Kundinnen und Kunden, Webseitenbesuchende) müssen transparent informiert werden. Bereits in diesen Bereichen gibt es aber eine grosse Grauzone: Mit KI bearbeitete Bilder z. B. sind per se kein Problem. Ob und wie KI-generierte oder bearbeitete Bilder gekennzeichnet werden müssen, hängt vom jeweiligen Einsatz ab. Erst wenn die Bilder fälschlicherweise als authentisch oder real wahrgenommen werden, wird es problematisch.
  • Hohes Risiko: Bewerberauswahl mit Hilfe von KI, Personalentscheidungen, die Prüfung der Kreditwürdigkeit und auch bestimmte medizinische Systeme. Jetzt wird es richtig heikel und aufwendig: Das neue Gesetz fordert nicht nur Transparenz, sondern hat auch umfangreiche Anforderungen ans Risikomanagement und die Datenqualität. Eine lückenlose Dokumentation ist Pflicht.
  • Unzulässiges Risiko: Bestimmte Formen von Social Scoring sowie die Erstellung bestimmter nicht einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes.

KI-Kompetenz in KMU

Die obige Aufzählung ist verkürzt, jeder einzelne Punkt kann je nach genauem Inhalt oder Anwendungsbereich zu einer höheren oder niedrigeren Risikoeinstufung führen. Am Anfang jeder Prüfung steht deshalb immer die Übersicht über KI-Anwendungen im Betrieb. Der Teufel liegt im Detail. Microsofts Copilot beispielsweise – eine KI, die unter den «EU AI Act» fällt - ist bereits in vielen Bereichen im Einsatz.

Anschliessend müssen die Anwendungen einer Risikokategorie zugewiesen und die entsprechenden Massnahmen definiert und umgesetzt werden. Das ist kein einmaliger Vorgang. Regelmässige Kontrollen und Updates sind deshalb sinnvoll. Denn die Softwarehersteller implementieren immer mehr KI-Funktionen in ihre Produkte.
Eine kurze und unvollständige Liste der Massnahmen, die Schweizer KMU jetzt umsetzen sollten:

  • den Einsatz von KI dokumentieren
  • KI-Inhalte nachvollziehbar kennzeichnen
  • Mitarbeitende im Umgang mit KI schulen
  • interne Richtlinien für die Anwendung von KI erstellen

Die korrekte Umsetzung des neuen «EU AI Act» ist kein Selbstläufer. Die Weiterbildung der Mitarbeitenden wird von der EU in Artikel 4 sogar ausdrücklich gefordert: «Die Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Massnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals … zu unterstützen», heisst es da. KMU stehen damit vor der nächsten Herausforderung durch die Digitalisierung. Die wenigsten kleineren Unternehmen können es sich leisten, einen Spezialisten einzustellen. KMU brauchen jetzt eine Weiterbildungs-Offensive in Sachen KI.


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Transparenz schafft Vertrauen

In der Bevölkerung wächst das Unbehagen über die neue Technologie. Vieles ist unklar und zu wenig transparent. Das neue Gesetz der EU bietet Firmen eine Leitplanke, genau dieses Gefühl der Menschen anzusprechen. KMU, die transparent zeigen, wofür sie KI nutzen, schaffen sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Denn Transparenz schafft Vertrauen. Dafür braucht es aber in erster Linie die nötige KI-Kompetenz.

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